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Partnerwehr

Unsere Partnerfeuerwehr Kalteneber

Kurz nach der Wende 1990 durch den Mauerfall bekamen einige Kameraden unserer Ortsfeuerwehr Kontakt zur einer kleinen Ortsfeuerwehr bei Heiligenstadt.
Kalteneber ist ein Ortsteil von der Stadt Bad Heiligenstadt in Thüringen und hat ca. 370 Einwohnern.
Die Ortsfeuerwehr hat zur Zeit ca. 25 aktive Mitglieder, ca. 15 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr. Im Jahre 2000 bekam diese im neuen Dorfgemeinschaftshaus einige Räume und eine Zeitgemäße Fahrzeughalle. Ausgestattet ist diese mit einem TSF-W, MTW und einen Transportanhänger.


TSF-W


Tragkraftspritze 8/8 im TSF-W


MTW


Chronik der Freiwilligen FeuerwehrKalteneber
Die Freiwillige Feuerwehr Kalteneber wurde im Jahre 1935 gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand im Ort eine Pflichtfeuerwehr. Damals gründeten 13 männliche Einwohner die Feuerwehr.
Die ersten Uniformen wurden vom Schneidermeister Paul Dölle (Gründungsmitglied) angefertigt. Da das nötige Geld für die Ausstattung aller Kameraden fehlte, konnten nur 3 Uniformen zur Verfügung gestellt werden.
Zur Brandbekämpfung konnten die Feuerwehrleute damals nur wenige Löschgeräte einsetzen: eine Handdruckspritze, zehn Ledereimer, ein Einreißhaken und eine große Leiter. Lange vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges stellte sich den Freiwilligen Feuerwehren mit der Organisierung wirksamer Löschtrupps für Zwecke des Luftschutzes eine völlig neue Aufgabe.
Am 2. Juni 1932 kam eine Ortsanweisung vom preußischen Minister des Inneren, der anordnete, dass bis zum 01.10.1932 Sicherheits- und Hilfsdienstes zu schaffen sind. Bis ins einzelne gingen damals schon die Anweisungen über Organisation und Aufbau spezieller Einheiten, obwohl Krieg oder Luftkrieg nicht unmittelbar drohten. Der neue Staat legte seine Hand auf das Feuerlöschwesen mit dem Bestreben, eine hervorragend eingespielte Organisation zu errichten, die bis ins das letzte Detail reglementiert war.
So konnte am 11. Juli 1936 der Deutsche Feuerwehrverband zwangsweise aufgelöst werden.
Angesichts der ständig wachsenden Gefahr, die dann der Luftkrieg im letzten Krieg mit sich brachte, kam der Feuerwehr eine besondere Bedeutung zu. Auf Anordnung der Regierung mussten Einsatzbereitschaften der Feuerwehr gebildet werden, die vor allem nach Luftangriffen eingesetzt werden sollten. Bereits im Jahr 1940 erhielt daher die Wehr Kalteneber eine TS 4 mit einem Tragkraftspritzenanhänger.
Während der langen Kriegsdauer wurden viele Feuerwehrleute im ganzen Reich, so auch in Kalteneber zum Wehrdienst eingezogen, so dass Hilfskräfte, Jugendgruppen und Frauen die Lücken schließen mussten. Mit dem militärischen Zusammenbruch im Jahre 1945 schien auch das Ende der deutschen Freiwilligen Feuerwehr gekommen sein.


Dorfansicht

Nach dem verhängnisvollen Ausgang des zweiten Weltkrieges wurde die Freiwillige Feuerwehr neu organisiert. Zunächst sah es trostlos um die Feuerwehr aus. Es musste diesmal eine geraume Zeit ins Land gehen, bis das Interesse am Dienst in der Feuerwehr wieder stieg. In erster Linie musste jeder für die Sicherheit und den Wiederaufbau seiner eigenen Existenz und die Überwindung der äußeren Not seine Kraft einsetzen. Das Jahr 1945 war gekennzeichnet durch das emsige Bemühen, die Wehr aufzubauen, jedoch gab es hierzu vielfältige Vorstellungen, wie die Zukunft der Wehr aussehen könnte. Aus den verbliebenen Resten von Ausrüstung und Gerät versuchte man im in den Jahren 1945 – 1946 eine Grundlage zu schaffen. Mit der Gründung der DDR kümmerte sich zunehmend das Landratsamt und später der Rat des Kreises um die Gewährleistung des Brandschutzes. In den Dörfern gelang es, junge Leute aus Einsicht in die Notwendigkeit für die Feuerwehr zu gewinnen. Andere traten aber auch der Feuerwehr bei, weil diese Tätigkeit als „gesellschaftliche Arbeit“ anerkannt wurde und sie daher von anderen politischen Aufgaben verschont blieben. In zunehmendem Maße nahm aber auch die Deutsche Volkspolizei, Abteilung Feuerwehr Einfluß auf die örtlichen Wehren. So gab es zum Beispiel 1955 einen „Leiter des Kommandos Feuerwehr“ beim Volkspolizei-Kreisamt Heiligenstadt, der zugleich den Rang eines Oberbrandmeisters innehatte. In der Vorbereitung der Übergabe eines Löschfahrzeuges baute die Gemeinde in den Jahren 1957 bis 1959 ein neues Feuerwehrhaus.
Die Einsparungen durch Eigenleistung beim Bau betrugen allein 11.250,00 DM (die Monatslöhne lagen in dieser Zeit um ca. 500,00 DM), also ein wertvoller Beitrag. Ca. 5000 Aufbau- und Gespannstunden wurden geleistet. Nimmt man beides zusammen, betrugen die Gesamtleistungen ca. 22.000,00 DM.

Dorfansicht

Im Dezember 1959 wurde der Gemeinde Kalteneber vom Rat des Kreises ein neues Fahrzeug feierlich übergeben werden. Es war ein LKW LF-TS 8-STA auf dem Fahrgestell „Garant“. Bei einem Brand in Mengelroge bewährte sich das Kraftfahrzeug. Im Jahre 1969 kam ein Löschfahrzeug TS 8-STA vom Typ „Robur“ dazu. 1965 fiel die Einführung erster Maßnahmen der „Zivilverteidigung“. Für manche waren Rückerinnerung an die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg unvermeidlich.
Die Feuerwehren wurden erneut für den Fall eines Krieges vorbereitet. Es war aber vor allem die Zeit, als das Grenzregime immer härter wurde. Junge Feuerwehrleute konnten bei Einsätzen im Grenzgebiet (und das war nur ein paar Orte weiter) nur schwer eingesetzt werden.
Nach einigen Anstrengungen ist im Jahre 1981 wieder eine Frauengruppe aktiv geworden, die noch heute ihren Dienst genau so wie die Männer verrichtet. Diese Frauengruppe errang 1983 in Westhausen den Kreistitel in der Gruppenstaffette und war somit für den Bezirksausscheid qualifiziert. 1982 wurde der „Garant“ von einem Löschfahrzeug des Typs „Robur“ abgelöst, das sich heute noch im Besitz der Freiwilligen Feuerwehr Kalteneber befindet.
So kann man einschätzen, dass die Freiwillige Feuerwehr Kalteneber stets über einen guten Ausrüstungs- und Ausbildungsstand verfügte und alle Wehren im Kreis Heiligenstadt ein verlässlicher Partner war.



Viele Stunden opferten die Mitglieder, um ständig einsatzbereit zu sein. Nur an den Montagabenden des Winters 1989/90 war die Einsatzbereitschaft vielleicht nicht immer gegeben, denn unter den Montagsdemonstranten auf dem Heiligenstädter Friedensplatz fand man auch Kameraden der Feuerwehr Kalteneber – mit Kerze in der Hand.
Mit der politischen Wende in der DDR stand die Feuerwehr erneut vor der Frage „Was nun?“. Sie stand auch weiter ihren Mann. Aber sie suchte und fand auch Freunde westwärts, die mit Rat und Tat zur Seite standen.
Die Freiwillige Feuerwehr Kalteneber ist seit der Wende mit der Ortsfeuerwehr Grone und der Feuerwehr Kölbingen eng befreundet. Diese Freundschaft wird durch regelmäßige Begegnungen mit Erfahrungsaustausch gefördert.
Seit 1991 ist die Feuerwehr Kalteneber nun eine Ortsfeuerwehr der Freiwilligen Feuerwehr Heilbad Heiligenstadt.
Im Jahre 1993 bekam die Ortsfeuerwehr ein Tanklöschfahrzeug mit 1.000 Liter Löschwasser auf Fahrgestell eines „Robur“. Eine Zeitgemäßes Feuerwehrhaus bekam nun die Feuerwehr im Jahr 2000 übergeben, welches sich angliedert an das neue Dorfgemeinschaftshaus am alten Bahnhof.
Im Januar 2006 bekam die Ortsfeuerwehr Kalteneber als Ersatz für ihren Fuhrpark ein TSF-W auf Mercedes-Fahrgestell und Magirus-Aufbau. Das Tanklöschfahrzeug wurde außer Dienst gestellt.
Im Jahr 2010 feierten die Kameraden aus Kalteneber ihr 75-jähriges Jubiläum und im Jahr 2015 ihr 80-jähriges Jubiläum.